Ein Coaching-Prozess beginnt hier mit einem Vorgespräch. Es dauert 30 Minuten und kostet keine Credits. In der Fachliteratur heißt es meist Erstgespräch. In der App sagen wir Vorgespräch, gemeint ist dasselbe.
Erst der Rahmen, dann der Inhalt
Das Vorgespräch dient vor allem dazu, einen geeigneten Rahmen zu schaffen. Manche Modelle nennen diesen Schritt deshalb „Phase 0“ (mehr dazu in der Lektion „Was ist Coaching?“): Ihr lernt euch kennen, klärt Erwartungen und Absprachen und schaut, ob eine Zusammenarbeit passt. Erste Inhalte kommen vor, aber nur so weit, dass ihr entscheiden könnt, ob und woran ihr arbeiten wollt.
Die drei Fragen des Vorgesprächs
Am Ende sollten du und dein Coachee drei Fragen beantworten können:
- Worum geht es? Ein erstes Bild vom Anliegen, nicht die ganze Geschichte.
- Was soll am Ende anders sein? Eine Richtung, woran ihr einen Erfolg erkennen würdet.
- Passt es mit uns? Stimmen Chemie, Rahmen und Erwartungen, um weiterzumachen?
Mehr musst du in 30 Minuten nicht schaffen.
Ein Vorschlag für die 30 Minuten
| Minute | Was passiert |
|---|---|
| 0–5 | Ankommen, kurz vorstellen, Rahmen klären |
| 5–18 | Anliegen erzählen lassen, zuhören, nachfragen |
| 18–25 | Vom Anliegen zu einem ersten Ziel |
| 25–30 | Passt es? Nächste Schritte vereinbaren |
Das ist eine Orientierung, keine Vorschrift. Sag die Zeit ruhig laut: „Wir haben noch zehn Minuten. Ich würde gern noch schauen, was am Ende anders sein soll.“ Das gibt Sicherheit, dir und deinem Gegenüber.
Erwartungen realistisch halten
Viele Menschen haben noch keine klare Vorstellung davon, was Coaching leisten kann. Sprich kurz an, wie du arbeitest:
- Du gibst in der Regel keine Ratschläge und nimmst keine Arbeit ab. Ihr arbeitet gemeinsam, die Lösungen findet dein Gegenüber.
- Der Verlauf lässt sich nicht genau vorhersagen. Coaching ist kein Programm mit garantiertem Ergebnis.
- Ihr übt beide. Du darfst sagen: „Ich bin selbst in der Ausbildung und freue mich, mit dir zu üben.“
Wer übertriebene Hoffnungen früh dämpft, erspart beiden später eine Enttäuschung.
Deine Haltung
- Neugierig statt hilfreich. Der Reflex, gleich Tipps zu geben, ist groß. Im Vorgespräch hilfst du am meisten, wenn du verstehen willst.
- Die Person ist Expertin für ihr Leben. Du bist zuständig für den Ablauf, nicht für die Lösung.
- Transparenz. Sag, was du tust: „Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe.“
Typische Stolpersteine
- Zu tief einsteigen. Ein häufiger Fehler ist, schon im Erstgespräch inhaltlich zu arbeiten, bevor vereinbart ist, dass ihr zusammenarbeiten wollt.
- Kein klares Ende. Ein Vorgespräch ohne Entscheidung fühlt sich für beide unfertig an.
- Belastung übergehen. Wirkt dein Gegenüber stark belastet, geht das vor deinem Zeitplan. Nimm es ernst und kläre den Rahmen dann in Ruhe, notfalls in einem weiteren Termin. Wann Coaching nicht passt, steht in der Lektion „Grenzen von Coaching“.
Vorher – nachher
Nach acht Minuten erzählt dein Gegenüber ausführlich, wie sehr ihn ein Konflikt in der Lerngruppe belastet.
- Weniger hilfreich: „Oh, das kenne ich. Hast du schon mal versucht, das in der Gruppe direkt anzusprechen?“ Du steigst inhaltlich ein und gibst einen Rat, bevor ihr überhaupt vereinbart habt, zusammenzuarbeiten.
- Hilfreicher: „Das klingt wirklich wichtig. Ich merke mir das als möglichen Startpunkt für unsere erste Sitzung. Für heute würde ich gern noch schauen, was am Ende unserer Sitzungen anders sein soll. Passt das?“
Nach dem Gespräch
Wenn ihr weitermachen wollt, plant ihr in der App die Sitzungen: Termin öffnen, „Sitzungen planen“ und Anzahl sowie Rhythmus wählen. Dein Gegenüber kann alle Termine zusammen bestätigen. Ob ihr gleich plant oder erst eine Nacht darüber schlaft, zeigt die Lektion „Das Vorgespräch gut abschließen“.
Für deinen nächsten Termin
Schreib dir vor dem Vorgespräch die drei Fragen und die Zeitmarken (5, 18, 25 Minuten) auf einen Zettel. Sag im Gespräch mindestens einmal die Zeit laut an.
Selbstcheck danach:
- Habe ich den Rahmen geklärt, bevor es inhaltlich wurde?
- Habe ich gebremst, als es zu früh zu tief wurde?
- Sind wir mit einer gemeinsamen Entscheidung auseinandergegangen?