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Professionell üben · Grundlagen · 4 Min. Lesezeit

Grenzen von Coaching

Woran du merkst, dass jemand gerade etwas anderes braucht, und wie du gut damit umgehst.

Danach kannst du: Warnzeichen nennen, bei denen Coaching nicht mehr passt · bei starker Belastung in drei Schritten reagieren · passende Hilfsangebote nennen · Nebenwirkungen von Coaching realistisch einordnen

Coaching kann viel. Aber es hat Grenzen, und als Coach in Ausbildung gehört es zu deiner Professionalität, sie zu kennen. Ein typischer Fehler, den Fachleute beschreiben: Ein Coach erkennt nicht, dass er für ein Anliegen nicht kompetent ist.

Was Coaching nicht ist

Coaching setzt voraus, dass jemand sein Leben im Großen und Ganzen selbst steuern kann. Wer durch eine psychische oder körperliche Erkrankung stark beeinträchtigt ist, braucht eine psychotherapeutische, psychiatrische oder medizinische Behandlung. Coaching kann das nicht ersetzen.

Coaching von Menschen mit psychischen Störungen gibt es zwar, es verlangt aber klinisches Fachwissen und diagnostische Kompetenz. Das gehört nicht in ein Übungscoaching unter Studierenden. Coaching ersetzt außerdem keine Rechts-, Finanz- oder medizinische Beratung.

Warnzeichen

Achte auf Hinweise, dass jemand gerade etwas anderes braucht:

  • anhaltende Hoffnungslosigkeit oder Niedergeschlagenheit,
  • Überforderung, die den Alltag bestimmt,
  • Hinweise auf eine Sucht oder eine Erkrankung,
  • Gedanken, sich etwas anzutun.

Was du tun kannst

  1. Ernst nehmen und offen ansprechen. „Mir scheint, das ist gerade sehr schwer für dich. Ich glaube, dafür bin ich als Übungscoach nicht die richtige Unterstützung.“
  2. Auf Hilfe hinweisen. Zum Beispiel die TelefonSeelsorge, die psychologische Beratung deiner Hochschule oder die Hausärztin.
  3. Das Coaching pausieren oder beenden. Das ist kein Scheitern, sondern verantwortungsvoll. Dein Gegenüber ist dann nicht „gescheitert“, sondern braucht gerade etwas anderes.

Wenn jemand Suizidgedanken andeutet

Das ist selten, aber du solltest vorbereitet sein.

  • Direkt und ruhig nachfragen: „Denkst du daran, dir etwas anzutun?“ Fachleute sind sich einig: Danach zu fragen bringt niemanden erst auf den Gedanken. Es entlastet eher.
  • Nicht allein lassen. Bei akuter Gefahr: Notruf 112. Bleib in Verbindung, bis Hilfe da ist.
  • Hilfe konkret machen. Gemeinsam die TelefonSeelsorge anrufen oder einen Termin bei einer Ärztin oder Beratungsstelle vereinbaren, statt nur eine Nummer zu nennen.
  • Keine Schweigepflicht versprechen. Hier endet die Vertraulichkeit, so wie es im Rahmen vereinbart ist.

Wenn es schon im Vorgespräch auffällt

Wirkt jemand im Vorgespräch stark belastet, geht das vor deinem Zeitplan. Biete Entlastung an und hör zu. Die Grundfragen, ob ein Coaching passt, klärt ihr dann in Ruhe oder in einem weiteren Termin. Zu den Gründen, ein Coaching gar nicht erst zu beginnen, gehören eine klinische Störung, ein ethisches Problem oder fehlende Expertise für das Anliegen.

Nebenwirkungen gehören dazu

Coaching kann auch unerwünschte Wirkungen haben, sogar in sehr erfolgreichen Coachings. In einer Befragung berichteten Coaches im Durchschnitt von etwa zwei Nebenwirkungen pro Coaching. Am häufigsten: In rund einem Viertel der Coachings kamen tiefer liegende Themen zum Vorschein, die im Coaching nicht mehr bearbeitet werden konnten. Das sind nicht unbedingt Krisen, aber Themen, die eine andere Unterstützung brauchen.

Auch Coaches können belastet sein, etwa wenn ein Thema sie selbst berührt oder eine Sitzung schwer war. Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Danach: Sorge für dich

Solche Situationen können auch dich belasten. Sprich sie mit Dozierenden, in deiner Lehrsupervision oder einer Beratungsstelle durch, ohne Namen und erkennbare Details. Mehr dazu in „Reflektieren ohne Namen“.

Für deinen nächsten Termin

Speichere dir die Nummern der TelefonSeelsorge ins Handy und finde heraus, wo die psychologische Beratung deiner Hochschule ist. Übe einmal laut den Satz: „Ich glaube, dafür bin ich als Übungscoach nicht die richtige Unterstützung. Darf ich dir sagen, wo du Hilfe findest?“

Selbstcheck:

  • Wüsste ich in einer schwierigen Situation, was ich sage und wen ich anrufe?
  • Wo hole ich mir selbst Unterstützung, wenn mich eine Sitzung belastet?

Selbsttest

4 Fragen mit Auflösung, nur für dich
  1. 1. Dein Gegenüber erzählt, dass es seit Wochen kaum aus dem Bett kommt und keinen Sinn mehr sieht. Was ist ein guter erster Schritt?

  2. 2. Dein Gegenüber deutet an, dass es manchmal daran denkt, nicht mehr leben zu wollen. Was ist richtig?

  3. 3. Was bedeutet es, wenn du ein Coaching wegen solcher Warnzeichen pausierst?

  4. 4. Was sagt die Forschung zu Nebenwirkungen von Coaching?

Lust, das mit anderen zu üben?

Auf der Plattform übst du mit Mitstudierenden: mal als Coach, mal als Coachee.

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Zum Weiterlesen
  • Rauen (Hrsg., 2021): Handbuch Coaching, Hogrefe. S. 227 (Coach erkennt nicht, dass er nicht kompetent ist), S. 522 f. (funktionierendes Selbstmanagement als Voraussetzung; Coaching ist keine Psychotherapie; Vermittlungsfunktion des Coachs), S. 528 (Entlastung bei starker Belastung im Erstgespräch).
  • Quirin, Jonas & Graßmann (Hrsg., 2026): Coachingpsychologie, Springer. S. 29 (Gründe, einen Auftrag abzulehnen: klinische Störung, ethisches Problem, fehlende Expertise), S. 230 (Nebenwirkungen: in rund 26 % der Coachings Probleme, die nicht mehr im Coaching bearbeitet werden konnten), S. 735 f. (Coaching bei psychischen Störungen verlangt klinisches und diagnostisches Wissen).
  • Greif, Möller & Scholl (Hrsg., 2018): Handbuch Schlüsselkonzepte im Coaching, Springer. S. 417 (Nebenwirkungen häufig, auch in erfolgreichen Coachings; am häufigsten angestoßene tiefere Probleme), S. 467 ff. (psychische Störungen im Coaching).