Beim Üben lernst du vor allem durch Rückmeldungen. Als Coachee merkst du, was dir geholfen hat. Als Coach erfährst du, wie deine Fragen ankommen. Und als Beobachterin oder Beobachter siehst du Dinge, die beiden im Gespräch entgehen. Feedback so zu geben, dass jemand es annehmen und etwas daraus machen kann, zählt zu den Grundfähigkeiten eines Coachs.
Feedback geben
Beim Beobachteten bleiben. Nenne eine konkrete Stelle: „Als du gefragt hast, was genau dich daran ärgert, bin ich ins Erzählen gekommen.“ Je genauer du festmachst, woran dein Eindruck hängt, desto mehr kann dein Gegenüber damit anfangen.
Von dir sprechen. Jede Rückmeldung verrät auch etwas über die Person, die sie gibt. Sag das offen: „Mir war an der Stelle nicht klar, worauf du hinauswillst.“ statt „Das war unklar.“
Als Angebot formulieren. Deine Sicht ist ein Spiegel, keine Wahrheit. Sie lädt dazu ein, eine Situation mit anderen Augen zu sehen. Was dein Gegenüber davon übernimmt, entscheidet es selbst.
Hilfreiches und Ausbaufähiges nennen. Was hat gut funktioniert, und was hätte dir noch geholfen? Beides ist wertvoll. Wer nur lobt, nimmt dem anderen eine Lernchance. Wer nur kritisiert, macht es schwer zuzuhören.
Kurz halten. Zwei, drei Punkte bleiben hängen, zehn nicht.
Feedback nehmen
Als Coach ist Feedback dein wichtigstes Werkzeug zum Lernen. Es lohnt sich, offen dafür zu sein:
- Zuhören, ohne dich zu rechtfertigen. Ein „Danke, das schaue ich mir an“ reicht. Du musst nicht sofort zustimmen oder widersprechen.
- Nachfragen. „Kannst du mir die Stelle beschreiben?“ hilft mehr als eine Erklärung, warum du es so gemacht hast.
- Selbst einladen. Du kannst schon im Vorgespräch sagen: „Wenn du merkst, dass ich dich falsch verstehe, sag es mir bitte.“ Das öffnet einen Raum, in dem auch dein Gegenüber offen sein kann.
- Muster suchen, nicht Einzelstimmen. Eine Rückmeldung ist ein Hinweis. Taucht derselbe Punkt mehrfach auf, lohnt es sich, daran zu arbeiten.
Wenn dich als Coach etwas stört
Auch dein Gegenüber bekommt manchmal Feedback von dir, etwa wenn Termine immer wieder kurzfristig platzen. Sprich das beim nächsten Termin ruhig an und mach es an konkreten Beobachtungen fest. Das schafft Klarheit und stärkt meist sogar das Vertrauen.
So läuft es in der App
- Als Coachee beantwortest du nach jeder Sitzung zwei kurze Fragen auf einer Skala und auf Wunsch eine offene Frage: „Was hätte dir noch geholfen?“ Hier ist Platz für eine konkrete Beobachtung.
- Als Coach findest du die Rückmeldungen unter „Feedback“. Nur du siehst sie, auch die Verwaltung nicht. Durchschnitte erscheinen erst ab einigen Rückmeldungen, damit niemand erkennbar ist.
- Als Beobachterin oder Beobachter gibst du dein Feedback direkt nach der Sitzung im Gespräch. Frag vorher, ob es gerade passt.
- Am Ende eines Prozesses lohnt sich ein gegenseitiges Feedback im Gespräch (siehe „Einen Prozess gut abschließen“).
Für deinen nächsten Termin
Wenn du das nächste Mal Coachee bist: Schreib in die offene Frage der App eine konkrete Beobachtung, zum Beispiel „Als du gefragt hast, was mir dabei wichtig ist, ist mir etwas klar geworden.“ statt „War gut.“
Satzbausteine:
- „Als du …, habe ich …“
- „Mir hat geholfen, dass …“
- „Mir hätte noch geholfen, wenn …“
Zum Aufwärmen, mach konkret: „Du warst super.“ „Das war etwas chaotisch.“ „Du hast zu viel geredet.“
Selbstcheck danach (als Coach):
- Habe ich auf Rückmeldungen mit „Danke“ oder mit einer Erklärung reagiert?
- Welcher Punkt taucht in meinen Rückmeldungen immer wieder auf?