Bevor du selbst coachst, lohnt sich ein Blick auf die Frage, was du da eigentlich tust. Die Antwort ist weniger eindeutig, als man denkt.
Keine einheitliche Definition, aber ein gemeinsamer Zweck
„Coach“ ist kein geschützter Begriff. Jede und jeder darf sich so nennen, und die Methoden unterscheiden sich stark. Eine allgemein anerkannte Definition gibt es deshalb nicht.
Einig ist sich die Fachwelt aber über den Zweck: Coaching unterstützt Menschen dabei, ihre Lebens- und Arbeitssituation zu reflektieren, weiterzuentwickeln und eigene Ziele zu erreichen. Das geschieht in einer klar vereinbarten Arbeitsbeziehung und meist in einem geordneten Prozess, in dem Coach und Coachee gemeinsam Ziele setzen und Lösungen finden. Der Psychologe Siegfried Greif fasst es so zusammen: Coaching ist vor allem eine ergebnisorientierte Reflexion über sich selbst und das eigene Anliegen.
Das Ziel ist mehr Selbstständigkeit. Ein gutes Coaching macht sich am Ende überflüssig.
Coaching und seine Nachbarn
| Format | Worum es geht | Beispiel |
|---|---|---|
| Coaching | Eigene Lösungen für ein eigenes Anliegen finden | „Soll ich das Praktikum verlängern oder nicht?“ |
| Beratung | Fachlicher Rat, oft mit konkreten Empfehlungen | „Welche Fristen gelten für meinen Prüfungsantrag?“ |
| Training | Eine Fertigkeit lernen und üben | „Wie verwalte ich Literatur mit einem Programm?“ |
| Mentoring | Eine erfahrene Person gibt ihre Erfahrung weiter | „Wie war dein Berufseinstieg nach dem Studium?“ |
| Therapie | Behandlung psychischer Erkrankungen | „Ich schlafe seit Monaten kaum und habe Panikattacken.“ |
Zur Beratung ist die Grenze fließend. Beratung ist meist direktiver. Aber auch im Coaching kann es kurze beratende Momente geben, etwa wenn deinem Gegenüber eine Information fehlt oder es ausdrücklich um deine Einschätzung bittet. Wie das gut geht, steht in der Lektion „Prozess statt Ratschlag“.
Zur Therapie ist die Grenze streng. Coaching darf keine Behandlung psychischer Erkrankungen ersetzen. Woran du merkst, dass jemand etwas anderes braucht, zeigt die Lektion „Grenzen von Coaching“.
Was im Coaching wirkt
Aus der Psychotherapieforschung kennt man allgemeine Wirkfaktoren, die unabhängig von der Methode helfen. Sie wurden auf Coaching übertragen:
- Beziehung: Vertrauen und Wertschätzung zwischen euch.
- Das Problem genau verstehen: konkret werden, statt allgemein zu bleiben.
- Stärken nutzen: an das anknüpfen, was dein Gegenüber schon kann.
- Ins Handeln kommen: vom Verstehen zu einem ersten Schritt.
- Motivation klären: Was will die Person wirklich?
Coaching wirkt im Durchschnitt nachweisbar, aber nicht wundersam. Es ist kein Programm mit garantiertem Ergebnis.
Der Weg durch einen Coaching-Prozess
Viele Modelle teilen einen Prozess in Phasen. Eine Möglichkeit:
| Phase | Was passiert | In der App |
|---|---|---|
| 0 Rahmen | Kennenlernen, Erwartungen, Auftrag | Vorgespräch |
| 1 Verstehen | Situation, Person, Umfeld erkunden | erste Sitzung(en) |
| 2 Planen | Ziele schärfen, Lösungsideen entwickeln | Sitzungen |
| 3 Ausprobieren | Schritte umsetzen und begleiten | zwischen den Sitzungen |
| 4 Auswerten | Rückblick und Abschluss | letzte Sitzung |
Die Phasen sind eine Landkarte, keine feste Reihenfolge. Manchmal geht ihr einen Schritt zurück.
Viele Ansätze, eine Plattform
Coaches arbeiten je nach Ausbildung sehr unterschiedlich. Vier Richtungen begegnen dir in den Lektionen immer wieder:
- Personzentriert (nach Carl Rogers): Empathie, Wertschätzung, Echtheit, aktives Zuhören.
- Lösungsorientiert (nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg): Blick auf Ziele, Ausnahmen und Stärken, Skalierungsfragen.
- Systemisch: Blick auf Beziehungen und Zusammenhänge, zirkuläre Fragen, sorgfältige Auftragsklärung.
- Psychologisch-integrativ: verbindet Methoden und fragt, was die Forschung über ihre Wirkung weiß.
Keine Richtung ist „die richtige“. Die Lektionen legen sich nicht auf eine Schule fest, sondern nennen bei jeder Methode ihre Herkunft. So weißt du, wo du weiterlesen kannst, und erkennst, dass manche Faustregel nur in einem Ansatz gilt.
Für deinen nächsten Termin
Denk vor deinem ersten Vorgespräch kurz nach: Wann hat dir zuletzt jemand geholfen, selbst weiterzukommen, statt dir eine Lösung zu geben? Was hat diese Person getan? Das ist ein guter Kompass für deine eigene Rolle.
Selbstcheck danach:
- Habe ich meinem Gegenüber in eigenen Worten sagen können, was Coaching ist und was nicht?
- Gab es einen Moment, in dem ich eher beraten als gecoacht habe?