Good QuestionAnmelden
Lektionen

Vorgespräch · Erste Schritte · 4 Min. Lesezeit

Rahmen und Rollen klären

Organisatorisches und den Umgang miteinander vereinbaren, damit sich beide sicher fühlen.

Danach kannst du: formale und psychologische Vereinbarungen unterscheiden und je zwei Beispiele nennen · einen eigenen Einstieg formulieren, der mit einer Frage endet · erklären, wo Vertraulichkeit endet

Gutes Coaching braucht einen sicheren Rahmen. Den schaffst du zu Beginn des Vorgesprächs, in wenigen Minuten. Fachleute sprechen vom Kontrakt oder Contracting: Ihr trefft Absprachen darüber, wie ihr zusammenarbeitet, bevor es um das Was geht.

Ebene 1: Was ihr organisatorisch vereinbart

Das ist der formale Teil. Bei einem bezahlten Coaching steht er in einem schriftlichen Vertrag, auf dieser Plattform regelt die App das meiste:

  • Dauer und Anzahl: Sitzungen dauern 60 Minuten, ein Prozess hat 1 bis 6 Sitzungen.
  • Absagen: Wer absagt, sagt mehr als 24 Stunden vorher Bescheid. Termine lassen sich in der App auch verschieben.
  • Ort: online über den Zoom- oder Teams-Link des Coaches.
  • Vertraulichkeit: Was besprochen wird, bleibt zwischen euch. Notizen gehören nicht in die App.

Sprich diese Punkte trotzdem kurz an. Dann wissen beide, woran sie sind.

Ebene 2: Wie ihr miteinander umgeht

Das ist der psychologische Teil, ein mündlich ausgehandelter Satz an Spielregeln. Er darf später nachverhandelt werden, wenn etwas nicht mehr passt. Mögliche Punkte:

  • Erwartungen und Befürchtungen: „Was erhoffst du dir? Was soll auf keinen Fall passieren?“
  • Tabus: Themen, die außen vor bleiben sollen. Respektiere das, auch wenn du es manchmal für wichtig hältst.
  • Rückmeldungen: „Sag mir bitte, wenn ich etwas falsch verstanden habe.“ Wer selbst um Feedback bittet, öffnet die Zusammenarbeit.
  • Stopp-Signal: Ein Wort oder Satz, mit dem dein Gegenüber jederzeit unterbrechen darf.
  • Umgang außerhalb: Was passiert, wenn ihr euch im Studium seht? Mehr dazu in „Üben im eigenen Jahrgang“.

Voraussetzungen kurz prüfen

Ohne Verhör, eher als innere Checkliste:

  • Freiwillig: Dein Gegenüber will das Coaching wirklich und nicht nur, weil es erwartet wird.
  • Vertraulich: Inhalte bleiben im Coaching und werden nicht gegen die Person verwendet.
  • Gegenseitige Akzeptanz: Ihr könnt euch auf die Zusammenarbeit einlassen. Merkst du, dass du nicht neutral sein kannst, sag das lieber gleich.
  • Bereitschaft: Dein Gegenüber möchte an sich selbst arbeiten, nicht nur über andere sprechen.

Wo Vertraulichkeit endet

Vertraulichkeit ist die Grundlage für Offenheit. Sie hat aber eine Grenze, die du kennen und ehrlich benennen solltest: Wenn akute Gefahr für dein Gegenüber oder andere besteht, holst du Hilfe. Das sagst du am besten gleich im Rahmen, dann gibt es später keine Überraschung. Was dann konkret zu tun ist, steht in der Lektion „Grenzen von Coaching“.

Rollen klären

Du bist für den Ablauf zuständig: Zeit, Struktur, Fragen. Dein Coachee ist zuständig für Inhalte und Entscheidungen. Jede Frage darf unbeantwortet bleiben.

Ein möglicher Einstieg

„Bevor wir loslegen, kurz zum Rahmen: Alles, was du erzählst, bleibt bei mir. Die einzige Ausnahme wäre, wenn jemand in akuter Gefahr ist. Ich bin selbst noch in der Ausbildung und übe hier. Du bestimmst, worüber wir sprechen und wie tief, und du darfst jederzeit Stopp sagen. Gibt es etwas, das wir ausklammern sollen? Passt das für dich?“

Die Frage am Ende ist wichtig. Sie macht aus deiner Ansage eine gemeinsame Vereinbarung.

Für deinen nächsten Termin

Schreib deinen eigenen Rahmen-Satz in höchstens vier Sätzen. Er sollte Vertraulichkeit (mit Ausnahme), deine Rolle, das Stopp-Signal und eine Abschlussfrage enthalten. Sag ihn vor dem Termin einmal laut, damit er natürlich klingt.

Selbstcheck danach:

  • Habe ich beide Ebenen angesprochen, die organisatorische und die persönliche?
  • Hat mein Gegenüber dem Rahmen ausdrücklich zugestimmt?
  • Welche Spielregel wäre mir selbst als Coachee am wichtigsten gewesen?

Selbsttest

5 Fragen mit Auflösung, nur für dich
  1. 1. Was gehört zum psychologischen Teil der Vereinbarung?

  2. 2. Dein Coachee möchte ein Thema ausklammern, das du für wichtig hältst. Was tust du?

  3. 3. Im Vorgespräch fragt dein Gegenüber: „Bleibt wirklich alles unter uns?“ Was ist die ehrlichste Antwort?

  4. 4. Warum endet der Einstieg mit „Passt das für dich?“

  5. 5. Du merkst im Vorgespräch, dass du deinem Gegenüber nicht neutral begegnen kannst. Was ist professionell?

Lust, das mit anderen zu üben?

Auf der Plattform übst du mit Mitstudierenden: mal als Coach, mal als Coachee.

Mitmachen
Nächste LektionVom Anliegen zum Auftrag
Zum Weiterlesen
  • Rauen (Hrsg., 2021): Handbuch Coaching, Hogrefe. S. 522 f. (Voraussetzungen: Freiwilligkeit, Diskretion, gegenseitige Akzeptanz, Veränderungsbereitschaft), S. 530–532 (formaler und psychologischer Vertrag, Tabuzonen, Umgang außerhalb des Coachings).
  • Quirin, Jonas & Graßmann (Hrsg., 2026): Coachingpsychologie, Springer. S. 96–104 (Kontrakt, Spielregeln, psychologischer Vertrag, Feedback an den Coach, Tabuthemen), S. 294 (Verantwortung: Coach für den Prozess, Coachee für sich selbst).