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Lektionen

Vorgespräch · Grundlagen · 5 Min. Lesezeit

Üben im eigenen Jahrgang

Ihr kennt euch aus dem Studium. Das hilft, bringt aber eigene Stolpersteine mit.

Danach kannst du: drei Risiken des Coachings unter Bekannten benennen und je eine Gegenmaßnahme · eine Vereinbarung für den Umgang außerhalb des Coachings treffen · ansprechen, wenn ein Thema dich selbst betrifft

Gegenseitiges Coaching unter Teilnehmenden ist in Coaching-Ausbildungen verbreitet und bewährt: Ihr übt als Coach und erlebt als Coachee, wie sich gute und weniger gute Fragen anfühlen. Professionelle Coaches achten allerdings meist darauf, keine Vorbeziehung zu ihren Klienten zu haben. Fachbücher raten sogar, Übungsklienten in der Ausbildung nicht aus dem eigenen Freundeskreis zu nehmen, weil es um Neutralität geht.

Auf dieser Plattform ist das gemeinsame Umfeld der Normalfall: Ihr studiert im selben Jahrgang, schreibt vielleicht dieselben Prüfungen. Gemeinsamkeiten erleichtern die Beziehung, und Vertrauen ist oft schon da. Es lohnt sich aber, die Besonderheit im Vorgespräch kurz anzusprechen und ein paar Regeln zu vereinbaren.

Sechs Stolpersteine und was hilft

Diese Liste stammt aus Erfahrungen mit Übungscoachings, nicht aus der Forschung. Nimm sie als Hinweise, nicht als Gesetz.

1. Zwei Rollen. Ihr seid Kommilitonen und für eine Stunde Coach und Coachee. Ohne klare Grenze verschwimmt das. Hilft: ein fester Start- und End-Satz. „Ab jetzt bin ich dein Coach.“ Und am Ende: „Coaching-Ende, jetzt sind wir wieder einfach wir.“

2. Projektmodus. Wer schon zusammen Gruppenarbeiten gemacht hat, rutscht leicht ins gemeinsame Lösen: „Lass uns das zusammen hinkriegen.“ Hilft: die eigene Rolle benennen und die Frage zurückgeben. „Die Lösung gehört dir. Wie würdest du vorgehen?“

3. Bild im Kopf. Du kennst einen Ausschnitt der Person, aus Seminaren oder der Mensa, nicht die ganze Person. Hilft: fragen, als wüsstest du nichts. „Wie würdest du das beschreiben?“

4. Zurückhaltung beim Persönlichen. Ihr seht euch weiter im Studium. Da ist es verständlich, nicht alles zu erzählen, aus Sorge vor Gesichtsverlust oder vor dem Bild, das der andere bekommt. Hilft: Dein Coachee bestimmt Tempo und Tiefe. Tabus sind ausdrücklich erlaubt.

5. Gleiche Themen. Dieselben Prüfungen, derselbe Stress. Der Satz „Geht mir genauso“ liegt auf der Zunge. Hilft: eigene Erfahrungen, Meinungen und Lösungen zurückhalten. Mehr dazu in „Zurückhaltung und Offenheit“.

6. Geteilte Kontexte. Manche Themen betreffen dich selbst: eine gemeinsame Gruppenarbeit, gemeinsame Bekannte. Hilft: das offen markieren und entscheiden, ob ihr das Thema ausklammert. „Da komme ich selbst vor. Wollen wir das lieber außen vor lassen?“

Was du nicht aus dem Coaching mitnimmst

Fachleute sprechen von Abstinenz: Die Coaching-Beziehung dient deinem Gegenüber, nicht deinen eigenen Bedürfnissen. Unter Kommilitonen heißt das ganz praktisch: keine Neugier befriedigen, die nichts mit dem Anliegen zu tun hat, nichts weitererzählen und keine Vorteile aus dem Wissen ziehen, etwa in einer Gruppenarbeit.

Geben und Nehmen

Auf der Plattform coacht jede Person und wird gecoacht. Die Credits gleichen die Zeit aus, nicht die Offenheit. Wer sich als Coachee öffnet, verpflichtet den anderen zu nichts.

Und noch etwas: Schont euch nicht gegenseitig. „Ich konfrontiere dich nicht, dann tust du es bei mir auch nicht“ hilft niemandem. Ehrliches Feedback ist der Sinn des Übens. Wie das freundlich geht, zeigt „Wertschätzend konfrontieren“.

Was außerhalb passiert

Inhalte aus dem Coaching spielen im Studium keine Rolle. Ihr sprecht sie nur an, wenn der Coachee selbst damit anfängt. Das gehört in den psychologischen Teil eurer Vereinbarung: Wie geht ihr miteinander um, wenn ihr euch in der Vorlesung seht?

Reflektieren ohne Namen

Du willst über eine Sitzung nachdenken, mit Dozierenden, in einer Supervision oder mit einer KI? Dann nur ohne erkennbare Details und am besten nach Rückfrage. In einem kleinen Jahrgang reicht „ohne Namen“ oft nicht: Schon Thema plus Lebenssituation kann jemanden erkennbar machen. Mehr dazu in „Reflektieren ohne Namen“.

Aussteigen ohne Folgen

„Nicht weitermachen“ ist ein normales Ergebnis und kein Urteil über die Person. Eure Zusammenarbeit im Studium bleibt davon unberührt. Sagt das ruhig einmal laut, dann fällt es beiden leichter.

Ein möglicher Satz fürs Vorgespräch

„Wir kennen uns ja aus dem Studium. Ich würde gern kurz ein paar Regeln dafür vereinbaren: Was hier besprochen wird, bleibt hier, auch in Gruppenarbeiten. Du bestimmst, wie persönlich es wird. Und wenn ein Thema mich selbst betrifft, sagen wir das offen. Passt das für dich?“

Für deinen nächsten Termin

Überleg vorher: Welcher der sechs Stolpersteine ist bei dieser Person für dich am wahrscheinlichsten? Nimm dir eine Gegenmaßnahme vor und sprich im Vorgespräch die Vorbeziehung mit deinem eigenen Regel-Satz an.

Selbstcheck danach:

  • Haben wir die Vorbeziehung und den Umgang außerhalb ausdrücklich besprochen?
  • Habe ich Start und Ende des Coachings markiert?
  • Habe ich mich bei vertrauten Themen mit eigenen Erfahrungen zurückgehalten?

Selbsttest

6 Fragen mit Auflösung, nur für dich
  1. 1. Dein Coachee fragt: „Was würdest du an meiner Stelle machen?“ Was passt am besten?

  2. 2. Ihr schreibt dieselbe Klausur. Dein Coachee spricht über Prüfungsangst, die du gut kennst. Was tust du?

  3. 3. Ein Thema betrifft eine Gruppenarbeit, in der du selbst Mitglied bist. Was hilft?

  4. 4. Nach einer Sitzung weißt du, dass dein Coachee mit einer Prüfungsform kämpft. In eurer Gruppenarbeit verteilt ihr gerade die Aufgaben. Was ist richtig?

  5. 5. Was gleichen die Credits aus?

  6. 6. Nach dem Vorgespräch sagt dein Gegenüber: „Ich glaube, das passt nicht.“ Was ist richtig?

Lust, das mit anderen zu üben?

Auf der Plattform übst du mit Mitstudierenden: mal als Coach, mal als Coachee.

Mitmachen
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Zum Weiterlesen
  • Rauen (Hrsg., 2021): Handbuch Coaching, Hogrefe. S. 192 (Coachings mit Übungsklienten und kollegiales Netzwerk in der Teilnehmergruppe als Teil der Ausbildung), S. 212 (Übungsklienten in der Ausbildung nicht aus dem Freundeskreis; Grundsatz der Neutralität), S. 522 f. (gegenseitige Akzeptanz und Neutralität; Offenheit, Sorge vor Gesichtsverlust), S. 532 (Umgang miteinander außerhalb des Coachings), S. 544 (Coaching einer befreundeten Person ist problematisch, weil Neutralität nur bedingt möglich ist).
  • Quirin, Jonas & Graßmann (Hrsg., 2026): Coachingpsychologie, Springer. S. 22 (professionelle Distanz, Verzicht auf eigene Meinungen und Bewertungen), S. 29 (Gemeinsamkeiten fördern die Beziehung, sollen aber nicht in persönliche Verstrickungen münden), S. 776 (Peer-Coaching als Coach und als Coachee in einer Coaching-Ausbildung an der Hochschule).
  • Schreyögg & Schmidt-Lellek (Hrsg., 2015): Die Professionalisierung von Coaching, Springer. S. 80 f. (Abstinenz: keine Befriedigung eigener Bedürfnisse auf Kosten des Klienten), S. 81 (Mut zur Konfrontation).