Unter Kommilitonen ist die Versuchung groß, freundlich zu nicken. Man mag sich, sieht sich weiter im Studium, und niemand will den anderen in Verlegenheit bringen. Doch ein Coaching, in dem nur bestätigt wird, bewegt wenig.
Warum Bestätigung allein nicht reicht
Wertschätzung ist die Grundlage jeder Arbeitsbeziehung. Ohne sie ist kein offenes Gespräch möglich. Fachleute betonen aber: Ein Coach muss darüber hinausgehen. Er braucht den Mut, sein Gegenüber in gewohnten Mustern des Denkens und Handelns ein Stück weit zu „verstören“, damit Neues möglich wird. Bestätigung und Konfrontation gehören zusammen wie zwei Seiten einer Münze.
Was konfrontieren heißt
Konfrontieren klingt hart, gemeint ist etwas Behutsames: einen Unterschied sichtbar machen, der deinem Gegenüber vielleicht selbst noch nicht aufgefallen ist. Zum Beispiel zwischen
- zwei Aussagen: „Am Anfang hast du gesagt, die Note ist dir egal. Eben klang es, als wäre sie dir sehr wichtig.“
- Ziel und Handeln: „Du möchtest früher anfangen zu lernen. In den letzten zwei Wochen ist das noch nicht passiert.“
- Worten und Ausdruck: „Du sagst, das ist kein Problem, und deine Stimme wird dabei ganz leise.“
Es ist kein Urteil, sondern ein Angebot, die eigene Sicht zu prüfen.
So geht es
- Erlaubnis einholen: „Darf ich dir etwas spiegeln, das mir aufgefallen ist?“
- Beobachtung beschreiben: konkret, mit den Worten deines Gegenübers, ohne Deutung.
- Offene Frage stellen: „Wie passt das für dich zusammen?“
- Pause aushalten: Gib Zeit. Oft kommt erst nach einigen Sekunden etwas Wichtiges.
Danach entscheidet dein Gegenüber. Vielleicht sagt es: „Stimmt, darüber muss ich nachdenken.“ Vielleicht auch: „Nein, das passt schon so.“ Beides ist in Ordnung. Du musst nicht recht behalten.
Grenzen
- Nicht bei starker Belastung. Wenn jemand gerade sehr aufgewühlt ist, braucht er zuerst Halt.
- Nicht als Waffe. Wenn du merkst, dass du „gewinnen“ willst, ist es keine Konfrontation mehr, sondern ein Streit.
- Nicht zu früh. Konfrontation braucht eine tragfähige Beziehung. Im Vorgespräch ist sie meist fehl am Platz.
Vorher – nachher
Dein Gegenüber will seit drei Sitzungen mit der Bewerbung beginnen, hat aber jedes Mal einen Grund, warum es noch nicht ging.
- Weniger hilfreich (schonend): „Kein Problem, das ist auch eine stressige Zeit.“
- Weniger hilfreich (urteilend): „Du schiebst das ja immer nur vor dir her.“
- Hilfreicher: „Darf ich dir etwas spiegeln? Du hast dreimal gesagt, dass du anfangen willst, und jedes Mal kam etwas dazwischen. Was meinst du, was da passiert?“
Für deinen nächsten Termin
Achte in der Sitzung auf einen Unterschied zwischen zwei Aussagen oder zwischen Ziel und Handeln. Wenn die Beziehung es trägt, sprich ihn mit den vier Schritten an.
Zum Aufwärmen: Wie würdest du das wertschätzend ansprechen? Dein Gegenüber sagt am Anfang: „Ich will unbedingt im Ausland arbeiten.“ Später erzählt es begeistert, wie wichtig ihm die Nähe zur Familie ist.
Selbstcheck danach:
- Habe ich eher geschont oder eher geurteilt, oder habe ich beschrieben?
- Habe ich um Erlaubnis gefragt?
- Konnte ich die Antwort offenlassen, auch wenn sie mir nicht gefallen hat?