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Lektionen

Struktur · Grundlagen · 4 Min. Lesezeit

Aufbau einer Sitzung

Ankommen, Fokus, Vertiefung, Abschluss: ein Ablauf für 60 Minuten, der Sicherheit gibt.

Danach kannst du: die vier Teile einer Sitzung mit ihren Zeitanteilen planen · ein Einstiegs- und ein Abschlussritual formulieren · eine Störung ansprechen

Eine Coaching-Sitzung braucht Struktur. Nicht, um das Gespräch einzuengen, sondern damit dein Gegenüber sich sicher fühlt und sich auf das Wesentliche einlassen kann. Fachleute beschreiben das als Zusammenspiel von Führen (Struktur, Sicherheit, Tiefe) und Folgen (zuhören, wertschätzen).

1. Ankommen (etwa 5 Minuten)

Sicherheit entsteht, wenn dein Gegenüber weiß, was passiert. Ein kleines, wiederkehrendes Ritual hilft:

„Schön, dass du da bist. Kannst du die nächste Stunde ungestört sein? Was brauchst du noch, um gut anzukommen?“

„Wir starten wie immer mit einem kurzen Rückblick und schauen dann, woran du heute arbeiten willst. Ist das okay für dich?“

Achte schon jetzt darauf, ob Worte, Mimik und Stimmung zusammenpassen. Wirkt dein Gegenüber gehetzt oder bedrückt, sprich es an: „Mir fällt auf, dass du heute angespannt wirkst. Sollen wir das mit aufnehmen?“ Störungen haben Vorrang, ein Grundsatz aus der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn.

2. Fokus festlegen (etwa 10 Minuten)

  • Rückblick: „Was ist seit unserer letzten Sitzung passiert? Was hast du ausprobiert?“
  • Ziel für heute: „Was möchtest du heute mitnehmen? Woran merkst du am Ende, dass sich die Stunde gelohnt hat?“
  • Bezug zum Auftrag: „Wie hängt das mit deinem Ziel aus dem Vorgespräch zusammen?“

Eine Skalierungsfrage macht den Stand greifbar: „Wo stehst du heute bei deinem Ziel, von 1 bis 10?“

3. Vertiefen (etwa 30 Minuten)

Hier passiert die eigentliche Arbeit, zum Beispiel entlang von GROW (siehe „Die GROW-Struktur“): Situation verstehen, Möglichkeiten sammeln, auswählen. Hilfreich sind:

  • Vertiefende Fragen: „Was meinst du ganz konkret damit?“, „Kannst du ein Beispiel erzählen?“
  • Perspektivwechsel: „Was würde eine Person raten, die das schon geschafft hat?“
  • Spiegeln und vorsichtig konfrontieren: „Du hast vorhin gesagt …, und jetzt … Wie passt das für dich zusammen?“ Das ist kein Urteil, sondern ein Angebot, die eigene Sicht zu prüfen. Mehr dazu in „Wertschätzend konfrontieren“.
  • Visualisieren: Gedanken auf einem gemeinsamen Whiteboard sichtbar machen und verbinden.

Ziele können sich in dieser Phase verschieben. Das ist normal. Sprich es an: „Ist das noch das Ziel, mit dem wir gestartet sind?“

4. Abschließen (etwa 15 Minuten)

Behalte die Zeit im Blick und sag sie laut. Etwa 15 Minuten vor Schluss lohnt sich ein Hinweis: „Wir haben noch eine Viertelstunde. Lass uns schauen, was du mitnimmst.“

  • Fazit: „Was sind heute deine wichtigsten Erkenntnisse?“
  • Skala: „Wo stehst du jetzt bei deinem Ziel für heute?“
  • Bis zum nächsten Mal: Eine kleine Aufgabe zur Selbstbeobachtung oder ein erster Schritt. Mehr dazu in „Vom Vorsatz zur Umsetzung“.
  • Rückmeldung an dich: „Was hat dir heute geholfen, was soll ich beim nächsten Mal anders machen?“

Danach gibt dein Coachee dir in der App noch eine kurze Rückmeldung, die nur du siehst.

Ein Zeitplan für 60 Minuten

Teil Minuten
Ankommen 5
Fokus festlegen 10
Vertiefen 30
Abschließen 15

Nimm den Plan als Orientierung, nicht als Stoppuhr.

Für deinen nächsten Termin

Schreib dir vor der Sitzung einen kurzen Plan: deinen Einstiegssatz, zwei, drei mögliche Fragen für den Fokus und deinen Abschlusssatz mit Zeitansage. Stell dir einen leisen Wecker auf 15 Minuten vor Schluss.

Selbstcheck danach:

  • Wusste mein Gegenüber zu Beginn, was heute passiert?
  • Habe ich die Zeit angesagt und zum Fazit übergeleitet?
  • Gab es eine Störung, und habe ich sie angesprochen?

Herkunft: „Störungen haben Vorrang“ stammt von Ruth Cohn (Themenzentrierte Interaktion); Führen und Folgen aus der Gesprächsführung.

Selbsttest

4 Fragen mit Auflösung, nur für dich
  1. 1. Welche vier Teile hat eine Sitzung in dieser Lektion?

  2. 2. Dein Gegenüber wirkt zu Beginn gehetzt und abwesend. Was tust du?

  3. 3. Wann lohnt sich der Hinweis auf das nahende Ende?

  4. 4. Was gehört zum Abschluss einer Sitzung?

Lust, das mit anderen zu üben?

Auf der Plattform übst du mit Mitstudierenden: mal als Coach, mal als Coachee.

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Zum Weiterlesen
  • Quirin, Jonas & Graßmann (Hrsg., 2026): Coachingpsychologie, Springer. Kap. 14 Gesprächsführung (Braumandl & Weisweiler): S. 288 f. (Führen und Folgen, Überblick über eine Sitzung), S. 296–298 (Sitzungsbeginn: Rituale, Transparenz, Störungen haben Vorrang), S. 301–303 (vertiefende Fragen, Perspektivwechsel, Konfrontieren, Visualisieren), S. 304 (Zielveränderungen; Sitzung beenden: Zeit 15 Minuten vorher spiegeln, Fazit-Fragen, Aufgaben zwischen den Sitzungen).