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Lektionen

Struktur · Grundlagen · 4 Min. Lesezeit

Die GROW-Struktur

Ein einfaches Gerüst für jede Sitzung: Ziel, Realität, Optionen und nächster Schritt.

Danach kannst du: die vier Phasen mit je einer Leitfrage nennen · eine Sitzung mit GROW planen · erkennen, wann ihr zum Ziel zurückkehren solltet

GROW ist eines der bekanntesten Modelle für den Ablauf einer Coaching-Sitzung. Es entstand Anfang der 1980er-Jahre in Großbritannien: Graham Alexander entwickelte es, John Whitmore und der Tennistrainer Alan Fine machten es bekannt. Angeregt war es von Timothy Gallweys Idee des „Inner Game“ aus dem Sport. Die vier Buchstaben stehen für vier Phasen. Sie geben dir eine Landkarte, ohne das Gespräch in ein Korsett zu zwängen.

GROW ist eines von mehreren verbreiteten Modellen. Es ist einfach und praktisch, als Modell selbst aber kaum eigenständig erforscht. Nimm es als Hilfe zur Orientierung, nicht als Beweis für gutes Coaching.

G wie Goal: das Ziel der Sitzung

Was soll am Ende dieser Stunde anders sein? Nicht das große Lebensziel, sondern das Ziel für heute.

  • „Was möchtest du heute mitnehmen?“
  • „Woran würdest du am Ende merken, dass sich die Stunde gelohnt hat?“

Im Coaching-Prozess knüpft das Ziel der Sitzung an den Auftrag aus dem Vorgespräch an.

R wie Reality: die aktuelle Situation

Wie sieht es gerade aus? Hier geht es um Fakten, Beobachtungen und Gefühle, nicht um Bewertungen.

  • „Was passiert gerade genau?“
  • „Was hast du schon versucht, und mit welchem Ergebnis?“
  • „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wo stehst du?“

Nach der Erfahrung vieler Coaches braucht diese Phase oft am meisten Zeit. Hier hilft dir aktives Zuhören.

O wie Options: die Möglichkeiten

Welche Wege gibt es? Sammle zuerst, bewertet wird später.

  • „Was könntest du tun?“
  • „Was noch?“ (ruhig mehrmals fragen)
  • „Was würdest du tun, wenn du keine Angst vor einem Fehler hättest?“

Halte dich mit eigenen Ideen zurück. Wenn du doch eine hast, biete sie als eine von vielen an: „Darf ich eine Idee ergänzen?“

W wie Will: der nächste Schritt

Manche Quellen übersetzen das W auch mit Way, dem Weg. Gemeint ist dasselbe: vom Möglichen zum Verbindlichen.

Was wird dein Gegenüber konkret tun? Jetzt wird es verbindlich.

  • „Was davon willst du angehen?“
  • „Was ist der erste kleine Schritt, und wann machst du ihn?“
  • „Wie sicher bist du, dass du es tust, von 0 bis 10?“

Ist die Zahl unter 7, lohnt sich die Frage: „Was bräuchtest du, damit es eine 8 wird?“ Wie du den Schritt noch verbindlicher machst, zeigt die Lektion „Vom Vorsatz zur Umsetzung“.

Ein Vorschlag für 60 Minuten

Phase Minuten
Ankommen und Rückblick 5
Goal 10
Reality 20
Options 15
Will und Abschluss 10

GROW ist kein Formular

Gespräche verlaufen nicht geradlinig. Manchmal zeigt sich in der Reality-Phase, dass das Ziel ein anderes ist. Dann geh zurück zu G. Das Modell hilft dir vor allem, wenn du dich verloren fühlst: Frag dich kurz, in welcher Phase ihr gerade seid und was fehlt.

Für deinen nächsten Termin

Schreib dir für deine nächste Sitzung je eine Frage pro Phase auf eine Karte. Frag dich im Gespräch, wenn du dich verloren fühlst: In welcher Phase sind wir gerade, und was fehlt?

Zum Aufwärmen: In welcher Phase ist dieses Gespräch? Der Coachee sagt: „Ich könnte die Gruppe fragen, ob wir die Aufgaben neu verteilen. Oder ich spreche nur mit Jonas. Oder ich mache meinen Teil und lasse den Rest.“ (Auflösung: Options. Jetzt hilft „Was noch?“, bevor bewertet wird.)

Selbstcheck danach:

  • Gab es ein klares Ziel für die Sitzung?
  • Habe ich Möglichkeiten erst sammeln lassen, bevor bewertet wurde?
  • Endete die Sitzung mit einem konkreten nächsten Schritt?

Herkunft: Leistungs-Coaching aus Großbritannien (Graham Alexander, John Whitmore, Alan Fine), angeregt von Timothy Gallweys „Inner Game“.

Selbsttest

4 Fragen mit Auflösung, nur für dich
  1. 1. Wofür steht das R in GROW, und was passiert in dieser Phase?

  2. 2. In der Options-Phase hast du selbst eine gute Idee. Wie bringst du sie ein?

  3. 3. Dein Gegenüber ist sich beim nächsten Schritt nur zu 5 von 10 sicher. Was fragst du?

  4. 4. In der Reality-Phase merkt ihr, dass das Ziel eigentlich ein anderes ist. Was tust du?

Lust, das mit anderen zu üben?

Auf der Plattform übst du mit Mitstudierenden: mal als Coach, mal als Coachee.

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Zum Weiterlesen
  • Rauen (Hrsg., 2021): Handbuch Coaching, Hogrefe. S. 20 (Entwicklung des GROW-Modells 1981 in Großbritannien, Graham Alexander und John Whitmore, inspiriert vom „Inner Game“), S. 25 (Alexander als Entwickler, Whitmore und Alan Fine machten es populär).
  • Quirin, Jonas & Graßmann (Hrsg., 2026): Coachingpsychologie, Springer. S. 142 (GROW als einer der verbreiteten Coaching-Ansätze), S. 219 (GROW zur Zielklärung und Handlungsplanung), S. 304 (Ziele verändern sich im Verlauf).