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Lektionen

Struktur · Vertiefung · 5 Min. Lesezeit

Ziele, die tragen

Warum manche Ziele motivieren und andere nur Pflicht sind, und wie du beim Formulieren hilfst.

Danach kannst du: ein Ziel auf Stimmigkeit prüfen · ein Ziel auf drei Ebenen formulieren · Leistungs- und Vermeidungsziele umformulieren · erklären, wann SMART zu früh kommt

Coaching ist eine zielorientierte Tätigkeit. Ein gut erarbeitetes Ziel motiviert schon für sich, und eine Studie deutet darauf hin, dass die Arbeit am Ziel den Coaching-Erfolg eher vorhersagt als die Arbeit am Problem. Doch nicht jedes Ziel trägt gleich gut.

Stimmige Ziele

Ziele, die mit den eigenen Werten und Bedürfnissen übereinstimmen, nennt die Psychologie selbstkongruent: Sie kommen sozusagen „von Herzen“. Solche Ziele haben einen höheren Wert für die Person und werden eher umgesetzt. Rückschläge sind leichter zu verkraften, weil man nicht bei jedem Hindernis zweifelt, ob es überhaupt das richtige Ziel ist. Konkrete Vorsätze ohne erkennbaren Bezug zu einem höheren Ziel fühlen sich dagegen schnell wie lästige Pflicht an.

Fragen, die Stimmigkeit prüfen:

  • „Wozu ist dir das wichtig?“
  • „Wie fühlt es sich an, wenn du dir vorstellst, du hast es erreicht?“
  • „Ist das dein Ziel oder eher eines, das andere von dir erwarten?“

Wenn die Antwort zögerlich kommt oder die Stimme flach wird, lohnt sich ein zweiter Blick.

Drei Ebenen eines Ziels

Ein hilfreiches Bild ist eine Pyramide mit drei Ebenen, wie sie das Zürcher Ressourcen Modell beschreibt:

Ebene Frage Beispiel
Haltung Mit welcher inneren Haltung? „Wie ein Wanderer auf dem Weg zum Gipfel: Schritt für Schritt, mit Blick nach oben.“
Ergebnis Was? „Bis Ende März steht mein Methodenteil.“
Verhalten Wie, wann, wo? „Dienstags und donnerstags schreibe ich von 9 bis 11 Uhr in der Bibliothek.“

Oben stehen Motto-Ziele: bildhafte, persönliche Formulierungen, die ein gutes Gefühl auslösen und an das Warum erinnern. Sie wirken am besten, wenn dein Gegenüber das Bild selbst findet, nicht du. Unten stehen konkrete Schritte. Gute Coaching-Ziele verbinden beides: eine Haltung, die trägt, und ein Wie, das umsetzbar ist.

SMART: hilfreich, aber nicht immer

SMART steht zum Beispiel für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Es gibt mehrere Varianten, das A steht manchmal auch für „akzeptiert“ oder „aktionsorientiert“. Für konkrete Schritte auf der Verhaltensebene ist das ein gutes Raster. Bei großen, noch unklaren Themen („Ich will etwas an meinem Lebensentwurf ändern“) kann eine SMART-Formulierung aber zu früh zu eng sein und eher abschrecken. Dann zuerst die Richtung klären, die Details später.

Welche Zielarten besser wirken

  • Lernziele statt Leistungsziele: „Ich will lernen, souveräner zu präsentieren“ statt „Ich will eine 1,0 im Referat“. Lernziele hängen mit mehr Wohlbefinden und innerer Motivation zusammen.
  • Annäherung statt Vermeidung: „Ich will gelassen in die Prüfung gehen“ statt „Ich will nicht mehr panisch sein“.
  • Nah und fern verbinden: In wenigen Sitzungen sind eher nahe Ziele erreichbar. Ein fernes Ziel gibt aber Richtung und Motivation. Verbinde beides: „Was ist der erste Schritt auf dem Weg dahin?“

Wenn sich das Ziel verändert

Ziele werden im Coaching immer wieder hinterfragt und angepasst. Sprich Veränderungen offen an:

  • „Was ist passiert, dass sich das Ziel verändert hat?“
  • „Was machen wir mit dem alten Ziel?“
  • „Wie stimmig fühlt sich die Veränderung an?“

Wichtig: Die Veränderung kommt von deinem Gegenüber. In einer Befragung von Coaches gehörte es zu den häufigeren Nebenwirkungen, dass Coaches die Ziele gegen den Willen ihrer Klienten verändert hatten. Wenn du ein anderes Ziel vermutest, biete es als Frage an.

Für deinen nächsten Termin

Probier es an dir selbst: Finde für ein eigenes Vorhaben ein Motto-Ziel, ein Bild, bei dem du innerlich „Ja!“ sagst. Achte in der nächsten Sitzung darauf, ob das Ziel deines Gegenübers stimmig klingt, und frag einmal bewusst: „Wozu ist dir das wichtig?“

Zum Aufwärmen, formuliere um: „Ich will eine 1,0 in der Klausur.“ (Leistung → Lernen) „Ich will nicht mehr so chaotisch sein.“ (Vermeidung → Annäherung) „Ich will mein Leben ändern.“ (zu groß → erster Schritt)

Selbstcheck danach:

  • Klang das Ziel nach meinem Gegenüber oder nach Erwartungen anderer?
  • Haben wir eine Haltung und einen konkreten Schritt verbunden?
  • Wenn sich das Ziel verändert hat: Kam die Veränderung von meinem Gegenüber?

Herkunft: Selbstkongruenz aus der Motivationspsychologie; Motto-Ziele und Zielpyramide aus dem Zürcher Ressourcen Modell (Maja Storch, Frank Krause).

Selbsttest

5 Fragen mit Auflösung, nur für dich
  1. 1. Dein Coachee nennt ein Ziel, aber seine Stimme klingt flach und pflichtbewusst. Was fragst du?

  2. 2. Welche Formulierung ist ein Lernziel?

  3. 3. Was ist ein Motto-Ziel im Sinne des Zürcher Ressourcen Modells?

  4. 4. Jemand will „etwas an seinem Lebensentwurf ändern“. Was ist sinnvoll?

  5. 5. Du vermutest, dass dein Coachee eigentlich ein anderes Ziel verfolgen sollte. Was tust du?

Lust, das mit anderen zu üben?

Auf der Plattform übst du mit Mitstudierenden: mal als Coach, mal als Coachee.

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Nächste LektionVom Vorsatz zur Umsetzung
Zum Weiterlesen
  • Quirin, Jonas & Graßmann (Hrsg., 2026): Coachingpsychologie, Springer. S. 15 (Ziele sollen zu Werten passen, Selbstkongruenz), S. 78 (Haltungsziele als Motto-Ziele), S. 99 (Zielsetzung motiviert; eine Studie: Zielarbeit sagt Erfolg eher vorher als Problemarbeit; Ziele entstehen iterativ), S. 100 f. (SMART und seine Grenzen; Lern- vs. Leistungsziele; proximale und distale Ziele; Annäherungs- vs. Vermeidungsziele), S. 230 (Zieländerungen gegen den Willen der Klienten als Nebenwirkung), S. 304 (Fragen bei Zielveränderungen), S. 429 (kongruente Ziele höherer Ordnung, Umgang mit Misserfolg), S. 446 f. (Zielpyramide Haltung, Ergebnis, Verhalten; Motto-Ziele nach dem Zürcher Ressourcen Modell).
  • Greif, Möller & Scholl (Hrsg., 2018): Handbuch Schlüsselkonzepte im Coaching, Springer. S. 391 ff. (Motivation und Zielbindung mit Motto-Zielen).