Coaching ist eine zielorientierte Tätigkeit. Ein gut erarbeitetes Ziel motiviert schon für sich, und eine Studie deutet darauf hin, dass die Arbeit am Ziel den Coaching-Erfolg eher vorhersagt als die Arbeit am Problem. Doch nicht jedes Ziel trägt gleich gut.
Stimmige Ziele
Ziele, die mit den eigenen Werten und Bedürfnissen übereinstimmen, nennt die Psychologie selbstkongruent: Sie kommen sozusagen „von Herzen“. Solche Ziele haben einen höheren Wert für die Person und werden eher umgesetzt. Rückschläge sind leichter zu verkraften, weil man nicht bei jedem Hindernis zweifelt, ob es überhaupt das richtige Ziel ist. Konkrete Vorsätze ohne erkennbaren Bezug zu einem höheren Ziel fühlen sich dagegen schnell wie lästige Pflicht an.
Fragen, die Stimmigkeit prüfen:
- „Wozu ist dir das wichtig?“
- „Wie fühlt es sich an, wenn du dir vorstellst, du hast es erreicht?“
- „Ist das dein Ziel oder eher eines, das andere von dir erwarten?“
Wenn die Antwort zögerlich kommt oder die Stimme flach wird, lohnt sich ein zweiter Blick.
Drei Ebenen eines Ziels
Ein hilfreiches Bild ist eine Pyramide mit drei Ebenen, wie sie das Zürcher Ressourcen Modell beschreibt:
| Ebene | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Haltung | Mit welcher inneren Haltung? | „Wie ein Wanderer auf dem Weg zum Gipfel: Schritt für Schritt, mit Blick nach oben.“ |
| Ergebnis | Was? | „Bis Ende März steht mein Methodenteil.“ |
| Verhalten | Wie, wann, wo? | „Dienstags und donnerstags schreibe ich von 9 bis 11 Uhr in der Bibliothek.“ |
Oben stehen Motto-Ziele: bildhafte, persönliche Formulierungen, die ein gutes Gefühl auslösen und an das Warum erinnern. Sie wirken am besten, wenn dein Gegenüber das Bild selbst findet, nicht du. Unten stehen konkrete Schritte. Gute Coaching-Ziele verbinden beides: eine Haltung, die trägt, und ein Wie, das umsetzbar ist.
SMART: hilfreich, aber nicht immer
SMART steht zum Beispiel für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Es gibt mehrere Varianten, das A steht manchmal auch für „akzeptiert“ oder „aktionsorientiert“. Für konkrete Schritte auf der Verhaltensebene ist das ein gutes Raster. Bei großen, noch unklaren Themen („Ich will etwas an meinem Lebensentwurf ändern“) kann eine SMART-Formulierung aber zu früh zu eng sein und eher abschrecken. Dann zuerst die Richtung klären, die Details später.
Welche Zielarten besser wirken
- Lernziele statt Leistungsziele: „Ich will lernen, souveräner zu präsentieren“ statt „Ich will eine 1,0 im Referat“. Lernziele hängen mit mehr Wohlbefinden und innerer Motivation zusammen.
- Annäherung statt Vermeidung: „Ich will gelassen in die Prüfung gehen“ statt „Ich will nicht mehr panisch sein“.
- Nah und fern verbinden: In wenigen Sitzungen sind eher nahe Ziele erreichbar. Ein fernes Ziel gibt aber Richtung und Motivation. Verbinde beides: „Was ist der erste Schritt auf dem Weg dahin?“
Wenn sich das Ziel verändert
Ziele werden im Coaching immer wieder hinterfragt und angepasst. Sprich Veränderungen offen an:
- „Was ist passiert, dass sich das Ziel verändert hat?“
- „Was machen wir mit dem alten Ziel?“
- „Wie stimmig fühlt sich die Veränderung an?“
Wichtig: Die Veränderung kommt von deinem Gegenüber. In einer Befragung von Coaches gehörte es zu den häufigeren Nebenwirkungen, dass Coaches die Ziele gegen den Willen ihrer Klienten verändert hatten. Wenn du ein anderes Ziel vermutest, biete es als Frage an.
Für deinen nächsten Termin
Probier es an dir selbst: Finde für ein eigenes Vorhaben ein Motto-Ziel, ein Bild, bei dem du innerlich „Ja!“ sagst. Achte in der nächsten Sitzung darauf, ob das Ziel deines Gegenübers stimmig klingt, und frag einmal bewusst: „Wozu ist dir das wichtig?“
Zum Aufwärmen, formuliere um: „Ich will eine 1,0 in der Klausur.“ (Leistung → Lernen) „Ich will nicht mehr so chaotisch sein.“ (Vermeidung → Annäherung) „Ich will mein Leben ändern.“ (zu groß → erster Schritt)
Selbstcheck danach:
- Klang das Ziel nach meinem Gegenüber oder nach Erwartungen anderer?
- Haben wir eine Haltung und einen konkreten Schritt verbunden?
- Wenn sich das Ziel verändert hat: Kam die Veränderung von meinem Gegenüber?