„Ab nächster Woche fange ich früher an.“ Viele Sitzungen enden mit guten Vorsätzen. Und viele davon passieren nie. Das liegt meist nicht an fehlendem Willen.
Die Lücke zwischen Wollen und Tun
Forschung zur Zielerreichung zeigt ein klares Bild: Menschen lassen sich durchaus stark motivieren, aber von dieser Motivation kommt im Verhalten oft nur wenig an. Die Lücke entsteht vor allem bei Menschen, die fest entschlossen sind und trotzdem nicht ins Tun kommen. Das nennt man die Intentions-Verhaltens-Lücke.
Die Handlungspsychologie unterscheidet deshalb zwei Schritte: Erst bindet man sich an ein Ziel (Motivation). Dann muss man es im Alltag auch umsetzen (Volition). Typische Stolpersteine im zweiten Schritt: im richtigen Moment vergessen, Unangenehmes aufschieben, sich übernehmen.
Was ein Wenn-dann-Plan ist
Ein Wenn-dann-Plan legt fest, in welcher Situation du was genau tust:
„Wenn ich nach dem Seminar in die Bibliothek komme, dann öffne ich als Erstes mein Kapitel und schreibe drei Sätze.“
Der Plan erleichtert es, den passenden Moment zu erkennen, und löst die Handlung fast automatisch aus. Man spricht deshalb auch von Sofort-Gewohnheiten: Anders als echte Gewohnheiten, die lange geübt werden müssen, wirken Wenn-dann-Pläne schon kurz nachdem sie gefasst wurden. Und einen Plan zu fassen dauert nur wenige Minuten. Die Wirkung von Wenn-dann-Plänen ist in vielen Studien gut belegt.
So hilfst du beim Formulieren
- Ziel klären: „Was willst du bis zur nächsten Sitzung ausprobieren?“
- Situation finden: „Wann und wo genau bietet sich das an? Woran merkst du, dass der Moment gekommen ist?“
- Handlung festlegen: „Was genau tust du dann, als allerersten Schritt?“
- Hindernis vorwegnehmen: „Was könnte dazwischenkommen?“ Und daraus ein zweiter Plan: „Wenn ich merke, dass ich aufs Handy schauen will, dann lege ich es in die Tasche.“
- Stimmigkeit prüfen: „Wie fühlt sich der Plan an? Wie sicher bist du, dass du es tust, von 0 bis 10?“
Die Formulierung kommt von deinem Gegenüber. Du stellst die Fragen.
Gute und weniger gute Pläne
| Weniger hilfreich | Hilfreicher |
|---|---|
| „Ich will mehr lernen.“ | „Wenn ich montags um 18 Uhr nach Hause komme, setze ich mich sofort 30 Minuten an die Karteikarten.“ |
| „Ich sage öfter Nein.“ | „Wenn mich jemand um Hilfe bei einer Gruppenarbeit bittet, sage ich: ‚Ich melde mich morgen‘, und entscheide dann in Ruhe.“ |
Für den Abschluss eines Prozesses
Wenn-dann-Pläne helfen auch, Erreichtes zu sichern: „Wenn du merkst, dass das alte Muster zurückkommt, was tust du dann?“ So entsteht eine Art Notfallkoffer für schwierige Momente nach dem Coaching. Mehr dazu in „Einen Prozess gut abschließen“.
Für deinen nächsten Termin
Probier es zuerst an dir selbst: Fass für die kommende Woche einen eigenen Wenn-dann-Plan, etwa fürs Lernen oder für Sport, und dazu einen Plan für das wahrscheinlichste Hindernis. Schau nach einer Woche, was passiert ist. Dann weißt du, wie es sich anfühlt, bevor du es mit deinem Coachee machst.
Selbstcheck nach der Sitzung:
- Kam die Formulierung des Plans von meinem Gegenüber?
- Waren Situation und Handlung konkret genug, um sie im Alltag zu erkennen?
- Haben wir ein Hindernis vorweggenommen?