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Lektionen

Vorgespräch · Grundlagen · 4 Min. Lesezeit

Vom Anliegen zum Auftrag

Wie aus „Irgendwas stimmt nicht“ ein Ziel wird, an dem ihr gemeinsam arbeiten könnt.

Danach kannst du: Anliegen und Auftrag unterscheiden · ein vages Anliegen in drei Schritten zu einem vorläufigen Auftrag führen · einen Auftrag an fünf Merkmalen prüfen

Die meisten Menschen kommen mit einem Anliegen: einem Thema, das sie beschäftigt. „Ich komme mit meiner Masterarbeit nicht voran.“ „Ich weiß nicht, ob ich den Job wechseln soll.“ Ein Anliegen ist ein guter Anfang, aber noch kein Auftrag. Ein Auftrag beschreibt, was am Ende anders sein soll und wobei du als Coach helfen sollst.

Drei Schritte

1. Das Anliegen verstehen. Lass erzählen und hör zu. Hilfreiche Fragen:

  • „Was beschäftigt dich gerade?“
  • „Was macht das Thema gerade jetzt wichtig?“
  • „Was hast du schon versucht?“

2. Den Wunsch herausarbeiten. Lenke den Blick von dem, was nicht klappt, zu dem, was stattdessen sein soll:

  • „Angenommen, unsere Sitzungen haben sich gelohnt: Was ist dann anders?“
  • „Woran würdest du merken, dass du einen Schritt weiter bist?“
  • „Was möchtest du stattdessen?“

3. Den Auftrag formulieren. Fasse zusammen und lass bestätigen:

„Wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du am Ende unserer Sitzungen einen festen Schreibrhythmus für deine Masterarbeit haben, mit dem du dich wohlfühlst. Und von mir wünschst du dir, dass ich dir helfe, deine Hindernisse zu sortieren. Stimmt das so?“

Woran du einen guten Auftrag erkennst

  • Positiv formuliert: „Ich will gelassener in Prüfungen gehen“ statt „Ich will keine Panik mehr haben“. Ziele, die auf etwas Erwünschtes zugehen, tragen meist besser als Ziele, die nur etwas vermeiden wollen.
  • In der Hand der Person: Ziele, die vom Verhalten anderer abhängen („Mein Chef soll mich mehr schätzen“), lassen sich umformulieren: „Ich will meine Ergebnisse sichtbarer machen.“
  • Stimmig: Das Ziel sollte zu den eigenen Werten und Wünschen passen, nicht nur zu dem, was andere erwarten. Frag ruhig: „Wozu ist dir das wichtig?“ Wenn die Antwort zögerlich kommt, lohnt sich ein zweiter Blick.
  • Erkennbar: Es gibt ein Zeichen, woran ihr den Erfolg merkt.
  • Passend zum Rahmen: Für 1 bis 6 Übungssitzungen eher ein Schritt als das ganze Lebensthema.

Wenn es unklar bleibt

Manchmal ist das Ziel im Vorgespräch noch nicht greifbar. Das ist normal: Ziele entstehen oft schrittweise, und das zentrale Ziel zeigt sich manchmal erst später im Prozess. Dann kann der Auftrag für die erste Sitzung lauten: „Klarheit gewinnen, worum es eigentlich geht.“ Auch das ist ein Ziel.

Wenn sich das Ziel verändert

Prüft in jeder späteren Sitzung kurz, ob der Auftrag noch stimmt. Verändert sich das Ziel, ist das oft ein gutes Zeichen. Sprecht es offen an, damit ihr beide wisst, woran ihr gerade arbeitet.

Eine Grenze gibt es: Die Veränderung muss von deinem Gegenüber kommen. In einer Befragung von Coaches gehörte es zu den häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen, dass der Coach die Ziele gegen den Willen des Coachees verändert hatte. Wenn du glaubst, das „eigentliche“ Thema zu sehen, biete es als Frage an und lass die Entscheidung beim Coachee. Mehr dazu in „Ziele, die tragen“.

Für deinen nächsten Termin

Übe vorher mit drei vagen Anliegen: „Ich bin total im Stress.“ „Irgendwie passt das Studium nicht mehr.“ „Meine Gruppe nervt.“ Formuliere zu jedem eine Frage für Schritt 1, eine für Schritt 2 und einen möglichen Auftrag für Schritt 3. Im echten Vorgespräch fasst du den Auftrag am Ende laut zusammen und lässt ihn bestätigen.

Selbstcheck danach:

  • Konnte ich am Ende einen Auftrag in einem Satz zusammenfassen?
  • Lag das Ziel in der Hand meines Gegenübers?
  • Kam das Ziel von meinem Gegenüber oder von mir?

Herkunft: Die Unterscheidung von Anliegen und Auftrag stammt aus der systemischen Auftragsklärung; die Fragen nach dem „Stattdessen“ aus dem lösungsorientierten Ansatz.

Selbsttest

5 Fragen mit Auflösung, nur für dich
  1. 1. Was unterscheidet einen Auftrag von einem Anliegen?

  2. 2. Dein Coachee sagt: „Meine Gruppe soll mich in Gruppenarbeiten ernster nehmen.“ Wie hilfst du weiter?

  3. 3. Welche Formulierung ist ein Annäherungsziel?

  4. 4. In der zweiten Sitzung glaubst du zu erkennen, dass es eigentlich um etwas anderes geht als im Auftrag. Was tust du?

  5. 5. Im Vorgespräch bleibt das Ziel unklar. Was ist eine gute Lösung?

Lust, das mit anderen zu üben?

Auf der Plattform übst du mit Mitstudierenden: mal als Coach, mal als Coachee.

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Zum Weiterlesen
  • Quirin, Jonas & Graßmann (Hrsg., 2026): Coachingpsychologie, Springer. S. 98 (Ziele im Einflussbereich des Coachees), S. 99 (Ziele entstehen iterativ, zentrale Ziele zeigen sich manchmal erst später; Zieländerungen festhalten), S. 100 f. (Annäherungs- statt Vermeidungsziele), S. 15 (Ziele sollen zu den eigenen Werten passen, Selbstkongruenz), S. 230 (Zieländerungen gegen den Willen der Klienten als häufige Nebenwirkung).
  • Backhausen & Thommen (2017): Coaching. Durch systemisches Denken zu innovativer Personalentwicklung, 4. Aufl., Springer Gabler. Kap. 5.1.2 und 5.2.3 (Ziel- und Auftragsklärung, Anliegen und Anlässe).