Zuhören klingt selbstverständlich. Im Coaching ist es eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt. Aktiv zuzuhören heißt: ganz beim Gegenüber sein, verstehen wollen und zeigen, dass du verstanden hast. Ohne gleich zu bewerten, zu raten oder an deine nächste Frage zu denken.
In der Fachliteratur gehört das zum Folgen: Du lässt erzählen, fragst nach konkreten Situationen, hältst Blickkontakt, machst Notizen und lässt Pausen zu. Dadurch fällt es deinem Gegenüber leichter, sich zu öffnen.
Vier Werkzeuge
Paraphrasieren. Gib mit eigenen Worten wieder, was du gehört hast. „Du hast also das Gefühl, dass du in Meetings oft übergangen wirst.“ So prüfst du dein Verständnis, und dein Gegenüber hört die eigenen Gedanken einmal von außen.
Gefühle spiegeln. Benenne vorsichtig, was du an Gefühl wahrnimmst. „Das klingt, als würde dich das ziemlich ärgern.“ Liegst du daneben, korrigiert dein Gegenüber dich. Auch das bringt das Gespräch weiter.
Zusammenfassen. Bündle nach einigen Minuten das Wesentliche. „Bisher habe ich drei Punkte gehört: … Was davon ist dir am wichtigsten?“ Das schafft Ordnung und lädt zur Auswahl ein.
Pausen aushalten. Nach einer Frage braucht dein Gegenüber Zeit zum Nachdenken. In der Stille passiert oft das Wichtigste. Mehr dazu in „Zusammenfassen und Pausen aushalten“.
Verstehen absichern
Was du hörst, ist immer schon deine Deutung. Frag deshalb nach, ob das Gesagte und das Verstandene zusammenpassen: „Habe ich dich richtig verstanden, dass …?“ So vermeidest du Missverständnisse und schiefe Bilder im eigenen Kopf.
Auf Brüche hören
Gutes Zuhören achtet auf mehr als die Worte. Drei Ebenen helfen:
- Was gesagt wird: der Inhalt.
- Wie es gesagt wird: Stimme, Tempo, Pausen, Mimik.
- Was gemeint ist: Gedanken, Gefühle, Wünsche dahinter.
Besonders aufschlussreich sind Brüche: Jemand sagt „Eigentlich ist alles gut“ und seufzt dabei. Oder erzählt begeistert von einem Plan, aber die Stimme wird leiser. Solche Unstimmigkeiten sind oft ein Hinweis auf das eigentliche Thema. Sprich sie vorsichtig an, als Beobachtung und nicht als Deutung:
„Du sagst, es ist alles gut. Gleichzeitig hast du eben tief durchgeatmet. Wie passt das zusammen?“
Haltung lässt sich schlecht über Regeln lernen. Darum hilft hier vor allem Üben.
Was Zuhören stört
- Ratschläge: „Hast du schon mal versucht …?“ unterbricht das eigene Nachdenken.
- Eigene Geschichten: „Das kenne ich, bei mir war es so …“ verschiebt den Fokus auf dich.
- Vorschnelle Deutungen: „Das liegt bestimmt an …“ legt etwas fest, was dein Gegenüber noch gar nicht gesagt hat.
- Innere Vorbereitung: Wer schon die nächste Frage formuliert, hört nicht mehr richtig zu.
Online zuhören
Eure Sitzungen finden per Video statt. Zeig mit kurzen Signalen, dass du da bist: Nicken, „mhm“, ein Lächeln. Bei schlechter Verbindung lieber nachfragen als raten. Mehr dazu in „Online coachen mit Teams oder Zoom“.
Für deinen nächsten Termin
Nimm dir eine Sache vor: Fasse mindestens zweimal zusammen, bevor du eine neue Frage stellst. Achte zusätzlich auf einen Moment, in dem Worte und Stimme nicht ganz zusammenpassen.
Zum Aufwärmen: Wie würdest du diese Aussagen vorsichtig spiegeln? „Ja, das Praktikum ist super“ (sagt es leise und schaut weg). „Ist mir eigentlich egal, was die Gruppe denkt“ (lacht kurz). „Ich schaff das schon irgendwie“ (seufzt).
Selbstcheck danach:
- Habe ich mindestens zweimal zusammengefasst?
- Habe ich mein Verständnis geprüft, statt anzunehmen?
- Ist mir ein Bruch aufgefallen, und wie bin ich damit umgegangen?