Im Coaching sind Fragen dein wichtigstes Werkzeug. Eine gute Frage bringt dein Gegenüber zum Nachdenken, nicht dich zum Antworten. Sie öffnet, statt zu lenken.
Offen statt geschlossen
Geschlossene Fragen lassen sich mit Ja oder Nein beantworten: „Bist du unzufrieden?“ Offene Fragen laden zum Erzählen ein: „Wie geht es dir damit?“ Sie beginnen meist mit Was, Wie, Wozu, Woran, Wer. Geschlossene Fragen haben trotzdem ihren Platz, etwa um etwas zu bestätigen: „Habe ich das richtig verstanden?“
Und „Warum“?
„Warum hast du das gemacht?“ klingt schnell nach Rechtfertigung, besonders bei Entscheidungen, die schiefgegangen sind. „Was war dir dabei wichtig?“ oder „Wozu war das gut?“ fragen nach demselben, ohne Druck. Das ist eine verbreitete Faustregel, kein Gesetz: Manche Coaches nutzen Warum-Fragen bewusst, um Gründe und Werte zu erkunden. Achte vor allem auf deinen Ton.
Fragen, die neue Blickwinkel öffnen
Skalierungsfragen machen Unterschiede greifbar (lösungsorientiert):
„Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie zufrieden bist du gerade mit deiner Situation?“ Und danach: „Was müsste passieren, damit es eine Zahl höher wird?“
Ausnahmefragen suchen nach dem, was schon funktioniert (lösungsorientiert):
„Wann war es in letzter Zeit ein kleines bisschen besser? Was hast du da anders gemacht?“
Ressourcenfragen lenken den Blick auf Stärken:
„Wann ist dir etwas Ähnliches schon einmal gelungen? Was hat dir damals geholfen?“
Zirkuläre Fragen erkunden Beziehungen und andere Sichtweisen (systemisch):
„Was würde deine beste Freundin sagen, wenn sie dich gerade hören würde?“ „Wer würde als Erstes merken, dass sich bei dir etwas verändert hat? Woran?“
Zukunftsfragen helfen, ein Ziel zu entwickeln (lösungsorientiert):
„Stell dir vor, es ist ein halbes Jahr später und das Thema ist gelöst. Was ist dann anders?“
Konkretisierende Fragen machen Allgemeines fassbar:
„Woran genau merkst du das?“ oder „Was heißt ‚zu viel‘ für dich?“
Eine Frage nach der anderen
Ein häufiger Fehler: mehrere Fragen auf einmal. „Wie war das, und was hast du dann gemacht, und wie ging es dir dabei?“ Dein Gegenüber beantwortet dann meist nur die letzte. Stell eine Frage und warte die Antwort ab.
Kurz ist besser
Je kürzer die Frage, desto mehr Raum für die Antwort. Statt „Ich frage mich gerade, ob es vielleicht sein könnte, dass …“ lieber: „Was denkst du?“
Vorher – nachher
- Weniger hilfreich: „Hast du denn schon mit deiner Betreuerin gesprochen, oder traust du dich nicht, und wie lange geht das schon so?“
- Hilfreicher: „Wer könnte dir dabei weiterhelfen?“ Pause. Und dann, je nach Antwort, die nächste Frage.
Für deinen nächsten Termin
Setz in deiner nächsten Sitzung bewusst eine Ausnahmefrage ein. Achte außerdem darauf, wie oft du mit „Warum“ oder mit geschlossenen Fragen beginnst.
Zum Aufwärmen, formuliere offen: „Bist du gestresst?“ „Hast du das schon mal probiert?“ „Ist dir das wichtig?“ „War das schlimm für dich?“ „Willst du das ändern?“
Selbstcheck danach:
- Wie oft habe ich mehrere Fragen auf einmal gestellt?
- Welche Fragetypen habe ich genutzt, welche noch nie?
- Welche Frage hat meinem Gegenüber am meisten zum Nachdenken gegeben?