Zwei Dinge unterscheiden ein Coaching-Gespräch von einer Unterhaltung: Du redest weniger, als du möchtest, und du ordnest mehr, als du denkst.
Pausen aushalten
Gerade am Anfang fühlen sich Pausen nach einer Frage unerträglich lang an. Der Impuls ist groß, schnell noch eine Frage nachzuschieben oder die eigene Frage zu erklären. Dabei brauchen besonders offene Fragen Zeit: Dein Gegenüber sortiert, spürt nach, verknüpft.
So hältst du die Stille aus:
- Blick in die Notizen. Schau auf das, was du mitgeschrieben hast, oder auf offene Fragen aus der letzten Sitzung. Das gibt dir etwas zu tun und deinem Gegenüber Raum.
- Auf Signale achten. Solange dein Gegenüber nachdenklich wirkt, zur Seite schaut oder ansetzt, ist das Denken noch im Gang.
- Ende der Pause absichern. Erst wenn dein Gegenüber dich wieder direkt ansieht oder sagt, dass nichts mehr kommt, gehst du weiter: „Sollen wir weitergehen?“
- Nicht nachlegen. Wenn eine Frage nicht ankommt, wiederhole sie lieber in anderen Worten, statt eine neue zu stellen.
Mitschreiben, ohne abwesend zu wirken
Notizen helfen dir, den Faden zu halten und genau mit den Worten deines Gegenübers zu arbeiten. Sag ruhig einmal, warum du mitschreibst: „Ich notiere mir ein paar Stichworte, damit ich gut folgen kann.“ Das schafft Ruhe und Transparenz. Das richtige Maß zwischen Schreiben und Blickkontakt ist Übungssache.
Zusammenfassen
Eine gute Zusammenfassung hat drei Wirkungen:
- Ordnung: Aus vielen Gedanken werden ein paar wenige Punkte.
- Prüfung: Dein Gegenüber merkt, ob du richtig verstanden hast, und kann korrigieren.
- Auswahl: Mit einer Frage am Ende entscheidet dein Gegenüber, wo es weitergeht.
„Ich habe bisher drei Dinge gehört: dass dir die Zeit fehlt, dass du dich mit deiner Gruppe schwer abstimmst und dass dir die Arbeit eigentlich Spaß macht. Was davon ist dir gerade am wichtigsten?“
Tipps:
- Die Worte deines Gegenübers verwenden, nicht deine eigenen Begriffe.
- Kurz bleiben. Zwei, drei Punkte reichen.
- Mit einer Frage enden, damit das Gespräch beim Gegenüber bleibt.
- Bei vielen Informationen bewusst unterbrechen: „Darf ich kurz zusammenfassen, damit ich nichts verliere?“
Wenn du nicht weiterweißt
Das passiert allen. Statt zu raten, hol dir Orientierung:
- Zusammenfassen und dann fragen: „Was davon ist jetzt das Wichtigste für dich?“
- Die Vogelperspektive anbieten: „Lass uns kurz von oben auf unser Gespräch schauen. Wo stehen wir, wie wollen wir weitermachen?“
- Ehrlich fragen: „Ich weiß gerade nicht so recht weiter. Was wäre für dich jetzt hilfreich?“
Das wirkt nicht unsicher, sondern einladend. Dein Gegenüber ist Experte für sich selbst.
Für deinen nächsten Termin
Zähl in deiner nächsten Sitzung nach einer offenen Frage innerlich langsam bis sieben, bevor du etwas sagst. Und fasse mindestens einmal mit genau den Worten deines Gegenübers zusammen.
Zum Aufwärmen: Wie würdest du das zusammenfassen? „Also, ich hab ja den Nebenjob, das sind schon zwölf Stunden die Woche, und dann die Gruppenarbeit, wo keiner was macht, und eigentlich wollte ich ja auch noch Sport machen, aber das klappt gerade gar nicht, und meine Eltern fragen ständig, wann ich fertig bin.“
Selbstcheck danach:
- Wie lange habe ich nach offenen Fragen gewartet, bevor ich etwas nachgeschoben habe?
- Endeten meine Zusammenfassungen mit einer Frage?
- Gab es einen Moment, in dem ich nicht weiterwusste, und was habe ich dann getan?