Methoden sind wichtig. Aber ob ein Coaching wirkt, hängt stark davon ab, wie ihr miteinander arbeitet. Die Beziehung ist Grundlage, Kommunikationsmittel und Wirkfaktor zugleich. Ohne sie spricht kaum jemand offen über persönliche Themen.
Was die Forschung sagt
Das Konzept der Arbeitsbeziehung (auch Arbeitsallianz oder Arbeitsbündnis) stammt aus der Psychotherapieforschung. Es besteht aus drei Teilen:
- Ziele: Ihr seid euch einig, woran ihr arbeitet.
- Aufgaben: Ihr seid euch einig, wie ihr daran arbeitet.
- Bindung: Ihr vertraut und respektiert euch in euren Rollen.
Eine Metaanalyse zum Coaching fand, dass eine gute Arbeitsbeziehung die erwünschten Wirkungen verstärkt und unerwünschte Nebenwirkungen verringert. Die Beziehung gilt heute als der am besten erforschte Wirkfaktor im Coaching. Welche konkreten Verhaltensweisen sie am meisten stärken, ist allerdings noch wenig erforscht.
Kennen ist nicht gleich Bindung
Ihr kennt euch vielleicht schon aus dem Studium. Das kann helfen, weil eine Grundsympathie da ist. Es kann aber auch stören: Vielleicht erzählt dein Gegenüber gerade deshalb weniger, oder ihr rutscht in den gewohnten Umgang. Die Bindung im Coaching entsteht in euren Rollen, durch Verlässlichkeit, Vertraulichkeit und das Gefühl, ernst genommen zu werden. Ziele und Aufgaben müsst ihr ohnehin gemeinsam erarbeiten. Genau dafür ist das Vorgespräch da.
Vier Haltungen, die tragen
Unabhängig von der Schule gelten vier Haltungen als hilfreich:
- Respekt: die Sicht und die Entscheidungen deines Gegenübers anerkennen, ohne zu bewerten.
- Empathie: dich einfühlen und zeigen, dass du verstanden hast.
- Offenheit: für neue Sichtweisen, auch für Rückmeldungen zu dir.
- Professionalität: Absprachen einhalten, Vertraulichkeit wahren, Grenzen setzen, den Prozess strukturieren.
Die drei Säulen des Vertrauens
- Kompetenz: Du führst sicher durch den Ablauf. Du musst nicht alles wissen, aber du hast einen Plan für die Stunde.
- Wohlwollen: Dein Gegenüber spürt, dass es um seine Ziele geht, nicht um deine.
- Integrität: Du hältst ein, was ihr vereinbart habt, etwa Vertraulichkeit, Pünktlichkeit und Absagen rechtzeitig.
Wenn es hakt
Eine Arbeitsbeziehung kann Risse bekommen. Anzeichen sind zum Beispiel häufige Verschiebungen, Zuspätkommen oder ein Gefühl, aneinander vorbeizureden. Die Beziehung ist ein Wechselspiel: Beide tragen Verantwortung.
- Früh ansprechen, am besten in der nächsten Sitzung.
- Konkret bleiben: an Beobachtungen festmachen, nicht an Deutungen.
- Selbst um Rückmeldung bitten: „Was soll ich anders machen, damit es für dich besser passt?“ Das zeigt Offenheit und stärkt die Beziehung.
Fachleute empfehlen, die Beziehung früh zu prüfen, weil Coach und Coachee sie oft unterschiedlich erleben. Das Feedback, das dein Coachee dir nach jeder Sitzung in der App gibt, ist dafür ein gutes Fenster.
Vorher – nachher
Ihr habt die letzten beiden Termine kurzfristig verschoben, beide Male auf Wunsch deines Gegenübers.
- Weniger hilfreich: „Ich habe das Gefühl, dir ist das Coaching nicht so wichtig.“ Das ist eine Deutung und klingt nach Vorwurf.
- Hilfreicher: „Mir ist aufgefallen, dass wir zweimal verschoben haben. Wie geht es dir gerade mit unserem Coaching?“
Für deinen nächsten Termin
Nimm dir für eine der drei Vertrauenssäulen eine konkrete Handlung vor, zum Beispiel für Kompetenz: zu Beginn kurz sagen, wie die Stunde ablaufen wird. Lies nach der Sitzung das Feedback deines Coachees bewusst als Rückmeldung zur Beziehung.
Selbstcheck danach:
- Waren wir uns einig, woran wir heute arbeiten und wie?
- Habe ich um Rückmeldung zu meiner Art gebeten?
- Gab es etwas, das ich ansprechen sollte, aber nicht angesprochen habe?